Juli / August 2020: Stauffenbergs korporierte Gefährten

By | 15. September 2017
Prof. Dr. Rüdiger Döhler Masoviae Königsberg zu Potsdam bei seiner Gedenkansprache anläßlich des 75. Jahrestages des Stauffenberg-Attentates, offizielle Gedenkfeier der Kösener Corpsstudenten, 21. juli 2019.

Der 20. Juli ist ein ganz besonderer und gleichzeitig ein besonders schmerzhafter Tag der Erinnerung. Denn am 20. Juli 1944 mißlang der Attentatsversuch des Grafen Stauffenberg, der Hitler mit einer Bombe beseitigen wollte. 42 Attentatsversuche zuvor waren ebenfalls gescheitert. An dieser Kette von Versuchen, Recht und Ehre wiederherzustellen, war eine ganze Reihe von Corpsstudenten beteiligt, darunter Adam v. Trott zu Solz, Peter Graf Yorck v. Wartenburg, Ulrich v. Hassell, Eduard Brücklmeier und Fritz-Dietlof Graf v. der Schulenburg, die zu den Vielen gehören, die im Hinrichtungsraum des Gefängnisses Berlin-Plötzensee qualvoll, aber in größter Würde ihr Leben lassen mußten. zum Widerstand gehören aber auch Überlebende wie Wilhelm v. Flügge, Franz Böhm und Ferdinand Duckwitz. Nicht vergessen seien die vielen Korporierten aus anderen Dachverbänden und verbandsfreien Verbindungen, pars pro toto seien genannt: Carl Friedrich Goerdeler und Dietrich Bonhoeffer. Ihrer aller wird in vielen, ganz unterschiedlichen Beiträgen auf dieser Webseite gedacht.

Linda v. Keyserlingk-Rehbein: grundlegende Monographie

Besonders hervorgehoben sei das Buch „Nur eine ganz kleine Clique? Die NS-Ermittlungen nach dem 20. Juli 1944“, das Linda v. Keyserlingk-Rehbein verfaßt hat. Mit diesem Werk wird die Forschung zun den Attentaten auf Hitler und dem gesamten Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf ein neues Niveau gehoben. Erstmals werden die Ermittlungen gegen den deutschen Widerstand aus der Perspektive der Ermittler betrachtet, die unter der Aufsicht des Präsidenten des sogeanntan Volksgerichtshofes, Roland Freisler, stattfanden. Mit neuer Qualität wird zudem die Rolle der Boten – der Nachrichtenoffiziere sozusagen – beschrieben, die unverzichtbare Informationen zwischen den Widerstandsgruppen hin- und hertransportierten. Eduard Brücklmeier Bavariae München, der Namensgeber dieser Webseite, gehörte zu ihnen. Linda v. Keyserlingk-Rehbeins Buch markiert den Beginn einer neuen Epoche in der Forschung zum Widerstand im Dritten Reich; die ausführliche Rezension findet sich unter den aktuellen Beiträgen auf dieser Webseite.

Das Kolumnenbild zeigt eine Couleurkarte der A. V. Kadimah aus der Sammlung Prof. Harald Seewann, Graz.