Mittermaier-Ehrung in Heidelberg

By | 24. August 2009

In der prachtvollen Universitätsbibliothek in Heidelberg hat im Frühjahr 2009 eine sehr respektable Ausstellung über Carl Joseph Anton Mittermaier stattgefunden. Als einer der frühesten Vertreter des Corpsstudententums leistete Mittermaier Widerstand gegen die Unfreiheit an den Universitäten, vornehmlich in Landshut und Heidelberg. Und wenn man die Ereignisse von 1848/1849 als Widerstand gegen „die Metternichs“ im Deutschen Bund versteht – dann war Mittermaier auch hier ein Widerständiger im besten Sinne und an vorderster Front.
Blicken wir nach Heidelberg. Die Universitätsbibliothek Heidelberg lohnt einen Besuch aus vielerlei Gründen. Nicht die weltberühmte Manesse’sche Liederhandschrift, sondern Mittermaier, der freiheitsliebende, demokratisch orientierte Jurist des 19. Jahrhunderts, bewogen uns im April und Mai zu zwei Besuchen in Heidelberg. Sehr würdevoll blickten Mittermaier und seine Gemahlin dem eintretenden Besucher in Öl gemalt aus zwei großen, alten Bilderrahmen entgegen. Und wandte man sich nach links, konnt

e man gleich in der ersten Vitrine ein Jugendbildnis erblicken, dessen Entstehung um 1809 vermutet wird. Es könnte aber auch etwas früher entstanden sein, zu der Zeit, als Mitttermaier bei den Landshuter Bayern, dem heutigen Corps Bavaria München, aktiv war. Daß das Bild ihn ohne Band zeigt, darf nicht irritieren, denn Bänder kannte man damals bekanntlich noch nicht als den zentralen Couleurgegenstand.

Mittermaier war ab 1809 in Heidelberg. Er gab dort seinen Einstand mit der Promotion „De nullitatibus in causis criminalibus“. Dies war für die Uinversitätsbibliotjek in der schönen Stadt am Neckar Anlaß zur Ausstellung über ihn; die entsprechende Urkunde und ein Exemplar der gedruckten Arbeit waren ausgestellt. 1811 war Mittermaier wieder in seiner Studienstadt Landshut, wurde dort Rektor der Universität und ging 1821 nach einem Umweg über Bonn wieder in Heidelberg. Aufgrund großer Verdienste, auch als badischer Landtagsabgeordneter, war er bereits 1839 Ehrenbürger der alten Universitätsstadt. 1848 war er dann Präsident des Frankfurter Vorparlaments und leitete die Wahl zur ersten verfassungsgebende Nationalversammlung in Deutschland. Im Katalog der Ausstellung wird er deswegen als „unerschrockener Vorkämpfer für Pressefreiheit, Humanität und Rechtsstaatlichkeit“ bezeichnet.

Zu sehen waren weiter zahlreichen Publikationen Mittermaiers, dazu Ankündigungen seiner Vorlesungen sowie diverse aufschlußreiche Autographen, dazu auch Karikaturen, die seine Bedeutung für die Zeitgenossen anschaulich illustrieren. Auch wenn die Ausstellung reichhaltig bestückt war, konnte sie nur einen Ausschnitt aus dem reichen Werk und der großen Fachbibliothek des großen Juristen geben, die heute in der Heidelberger Universitätsbibliothek aufbewahrt wird und dort 270 Regalmeter umfaßt.

Leider fehlte in der Ausstellung jedweder Hinweis darauf, daß Mittermaier Corpsstudent war, in Landshut als Rektor der Universität das dortige Corpsstudententum maßgeblich förderte, das Entstehen einer Burschenschaft in Landshut 1816/1817 weitgehend verhinderte und die staatlich-bayerische Zensur eines Grafen Montgelas zurückdrängte. Dies wäre angesichts der Mittermaier’schen Rolle im Jahre 1848 eine wichtige Information gewesen. Aufgrund dieser Verdienste um das erste demokratische deutsche Parlament wie auch um die Freiheit an der Universität Landshut würde Mittermaier eine deutlich hervorgehobene Würdigung durch sein Corps – zunächst vielleicht auf dessen Website – wohl gebühren.

Sebastian Sigler