Platin, Diamanten und kein Ende: Hans Merensky – Geologe und Mäzen

By | 27. Februar 2012

Hans Merensky war der erfolgreichste Entdecker von Erzlagerstätten und Diamantenvorkommen, den es gegeben hat, und zwar weltweit und jemals. Daß der ansonsten weithin bitterarme afrikanische Kontinent einen wohlhabenden Süden hat, und zwar von Südafrika ausgehend über einige Ländergrenzen hinweg, ist in weiten Teilen sein Verdienst.

Fürwahr – ein großes Wort. Und viel Stoff, den es zu ordnen, über den es berichten galt. Eberhard Machens hat sich der Aufgabe gestellt. Von der ersten Seite an fließen wohltuend seine profunden Kenntnisse über die internationalen Vernetzungen der Rohstoffmärkte  in die Darstellung ein. Über das Leben eines Prospektors im afrikanischen Busch kann kaum jemand besser berichten als ein Fachmann. Knapp, aber aussagekräftig ist die Schilderung der Jugend. Eher war Merensky eine Karriere im deutschen Bergbau in die Wiege gelegt, das wird klar, ebenso wird das ausgezeichnete Niveau der bergmännischen Ausbildung im Deutschen Reich sichtbar.

Merensky blieb nicht im wilhelminischen Deutschland – er ging nach Südafrika. Spannend die Schilderung seiner Entdeckungen, auch für Nicht-Geologen. Merensky gelang es, den anfänglichen Mißerfolg durch Zähigkeit zum Erfolg zu wandeln. Machens beschönigt dabei nicht, wie frühe Fehler Merensky fast ruiniert hätten. Das qualifiziert diesen Abschnitt des Buches als Lehrstück.

Interessant auch die Schilderung, wie Merensky mit dem Erarbeiteten umging. Machens gelingt eine gradlinige, fesselnde Schilderung, bei der auch die menschliche Seite nicht zu kurz kommt. Die Bewunderung des Autors klingt hörbar durch – da hier aber ein Fachmann schreibt, wirkt das nicht hagiographisch, sondern nachvollziehbar und damit gerechtfertigt.

In Südafrika und Namibia ist der Name Merensky an vielen öffentlichen Stellen festgehalten. Staudämme, Straßen, ein Wildreservat, verbunden mit einer Lodge der Extraklasse, eine landwirtschaftliche Hochschule in Tzaneen, Universitätsinstitute in Stellenbosch und die Universitätsbibliothek in Pretoria sind nach Merensky benannt. Hans Merensky genießt in Südafrika Kultstatus, für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war er eine der prägenden Persönlichkeiten Südafrikas, „der richtige Mann im richtigen Moment“, wie Machens es formuliert. Sogar aus der Sowjetunion kamen Angebote, ihn als Gutachter ins Land zu holen.

Es ist nicht zuviel gesagt: Ohne Merenskys Wirken sähen das heutige Südafrika und ebenso Namibia anders aus, als wir es kennen. Beide Länder wären ohne seine Entdeckungen um ei vielfaches ärmer, als sie es heute sind. Nicht zuletzt wäre, das ist als sicher anzunehmen, die Befriedung nach der Apartheid, für die enorm viel Geld vonnöten war, ohne Merenskys Entdeckungen kaum ohne großes Blutvergießen gelungen – so groß ist die Bedeutung dieses Mannes einzuschätzen, und Eberhard Machens öffnet dem Leser diesen Horizont.

Diamanten in der Namib-Wüste, Platin und Chromerze im Bushfeld – durch die Entdeckungen Merenskys wurden erst die Grundlagen dafür geschaffen, daß Südafrika eine Industrienation ist. Die Chromerze waren zum Beispiel Voraussetzung für eine südafrikanische Stahlindustrie. Doch das ist noch der größte Superlativ. Die von Merensky entdeckten Platin- und Chromlagerstätten sind bis heute die größten, die weltweit prospektiert wurden.

All dies ist natürlich komplexe Materie. Daher sind narrativer Rahmen und die Erklärung von Fakten getrennt behandelt. Zwölf Textboxen vermitteln dem Leser ausführliche Sachinformationen, um den Hintergrund der Entdeckungen Merenskys besser verständlich zu machen. Das ist hilfreich, denn die Lebensgeschichte an sich ist spannend und flüssig erzählt – so sehr, daß Fachbegriffe den Lesefluß stören könnten. Die trockenen Fakten auf diese Weise weiterführend einzubauen – eine gute Lösung, denn der Band ist spannende Lektüre auch für Afrikabegeisterte, die sich nicht unbedingt für Wirtschaftsgeschichte interessieren – dies Buch ist nicht weniger als eine Liebeserklärung an das südliche Afrika. Und es ist aktuell, besonders jetzt, wo die Verfügbarkeit von Rohstoffen weltweit von zunehmend existentieller Wichtigkeit wird.

Register, Bibliographie, Stichwortverzeichnis sucht der Leser bei Eberhard Machens nicht vergebens. Der 272 Seiten starke Band ist schön ausgestattet, handwerklich fein gemacht, hochwertiges Papier, platinfarbener Lesefaden.